Vegane Ernährung – Zeit für einen Neuanfang?

„Wie, du isst kein Fleisch mehr? Aber die Viecher werden doch extra dafür gezüchtet um gegessen zu werden!“

So oder so ähnlich waren die Reaktionen, als ich meinen Kumpels letztes Jahr um diese Zeit mitteilte, dass ich kein Fleisch mehr essen würde.

[statistik ueberschrift=“Was bringt das?“]Eine amerikanische Untersuchung hat gezeigt, dass nur ein einziger Mensch, der auf tierische Produkte verzichtet, im Jahr 37 Tiere vor unwürdiger Gefangenschaft, Misshandlung und dem Tod rettet. (Quelle: veganwelt.de)[/statistik]Ich kann nicht sagen, dass ich damit nicht gerechnet hätte, war ich doch noch einen Monat vorher zusammen mit ihnen in Köln gewesen, um in einem so genannten XXL-Restaurant monströse Schnitzel und Burger zu verzehren.

„Mann, war das geil. So viel Fleisch könnte ich jeden Tag essen!“, schwärmten meine Freunde. Dass ich eher schweigsam war, fiel ihnen glücklicherweise nicht auf. Zuhause übergab ich mich. Ich hatte mein Stück Fleisch beinahe ganz aufgegessen und es hatte schon die ganze Fahrt über schwer in meinem Magen gelegen.

Das Tier wollte scheinbar wieder raus.

Ich armes Schwein…

Das dachte ich, als ich über der Kloschüssel hing und fühlte mich gleichzeitig so, als würde sich das echte Tier gerade an mir rächen.

An diesem Tag wurde ich Vegetarier. Meine eigene Maßlosigkeit widerte mich in den nächsten Tagen so sehr an, dass ich nicht einmal den sonst so heiß begehrten Edel-Schinken essen konnte, der in meinem Kühlschrank lagerte.

Zwölf Monate später musste ich nun meinen Kumpels ein weiteres Geständnis machen. Ob es für immer gelten wird, weiß ich nicht. Aber ich werde es versuchen. Ich werde von nun an ohne tierische Produkte leben. Als Veganer.

Aber davon wird man doch krank!

Geschockt waren sie schon. Ebenso meine Eltern. Allein meine Großmutter blieb cool und meinte bloß, dass sie in ihrer Jugend froh gewesen sei, zu Weihnachten einen Ring Fleischwurst mit ihrer Familie zu essen, Milch wäre auch nicht immer drin gewesen und sie würde jetzt schließlich auch schon auf die 90 zugehen.

[info ueberschrift=“Vegan leben bedeutet:“]+ Fleisch, Milch, Honig und Eier aus dem Speiseplan zu streichen
+ Auf Leder, Seide und Tierwolle in der Kleidung zu verzichten
+ keine Kosmetik-Artikel zu kaufen, die an Tieren getestet wurden
+ gesünder und bewusster zu leben[/info]Fakt ist, das Erste, was man als angehender Veganer hört, ist, dass man abnehmen, das Immunsystem schwächeln, dass man an Depressionen und Knochenschwund leiden wird. Und natürlich auch, dass die Männlichkeit schwinden wird. Dass es schlicht verantwortungslos dem eigenen Körper gegenüber ist, wenn man ohne tierische Produkte lebt.

Gut. Das mit dem Abnehmen ist nur recht, an Depressionen glaube ich nicht und das mit der Männlichkeit wurde mir auch schon gesagt, als ich aufhörte, Fleisch zu essen (ja, es ist tatsächlich Blödsinn, liebe Männer). Die Sache mit dem Immunsystem jedoch machte mir Sorgen. Dass so Dinge wie Kalzium, Eiweiß und Eisen in Tierprodukten zuhauf vorhanden sind, ist mir dank der mütterlichen Erziehung nämlich durchaus bekannt.

Also habe ich mich informiert. Und mit Erschrecken festgestellt, dass beinahe alle potentiellen Vitamin- und Nährstoffmängel durch eine ausgewogene Ernährung spielend leicht umgangen werden können. Bloß ein kleines Vitamin kann man durch vegane Ernährung nicht aufnehmen: Vitamin B12. Aber dank moderner Wissenschaft gibt es viele tierfreie Produkte, die damit angereichert sind.

Da kannst du ja gar nichts mehr essen!

Das war auch eines der Argumente, die meine Kumpels mir unterbreiteten, als ich letztes Jahr aufhörte, Fleisch zu essen. Geholfen hat es nichts. Ich bin trotzdem vegetarisch geblieben.

Und auch als Veganer stehen einem noch das ganze Reich der Früchte, des Gemüses und der Pilze offen. Und Tofu darf man natürlich auch nicht vergessen. Wobei ich das bisher noch nicht einmal probiert habe.

[amazon_rechts ueberschrift=“Hmm, lecker!“]

[/amazon_rechts]Fakt ist, dass man, wenn man denkt, sich einzuschränken, für alles einen Ersatz finden kann. Statt Milch nimmt man halt Sojamilch. Statt Eiern Mais und statt Honig Ahornsirup. Eigentlich ganz easy. Vor meinen bevorstehenden Mahlzeiten habe ich keinerlei Bammel.

Ich habe gelernt, wie man Gemüse kocht und bin schon seit Jahren nicht mehr auf Fast Food und Co angewiesen. Veganes Essen ist nicht grau und eklig. Es ist grün und knackig. Richtig zubereitet, versteht sich.

Bammel habe ich jedoch vor Einschränkungen anderer Art: Leider entgeht den normalen Durchschnittsfreunden nicht, wenn man kein Fleisch mehr isst und sie nehmen es dann auch beinahe persönlich, wenn man bei Burger King keinen Wopper mitisst, sondern sich ganz feige stattdessen eine Portion Pommes holt.

Als Veganer gruselt es mir schon davor, wegzugehen. Denn die große gemeinsame Nahrungseinnahme wird kommen. Und damit die Vorwürfe und die endlosen Diskussionen darüber, dass ich meinem Körper schade. Von Leuten wohlgemerkt, die rauchen, saufen und Übergewicht haben.

Komisch. Ich mache denen schließlich keine Vorhaltungen.

Aber dafür werden die Viecher doch gezüchtet

Schon als ich ein pickeliger Teenager mit vermurkster Frisur war, hätte ich unserem Nachbar, der regelmäßig seinen eigenen Hund schlug, am liebsten Saures gegeben. Getraut habe ich mich allerdings nicht. Der Typ war immerhin 50 Kilo schwerer als ich und außerdem Polizist.

[amazon_rechts ueberschrift=“Ein toller Film:“][/amazon_rechts]Wie man grausam mit Tieren umgehen kann, hat sich mir demnach nie erschlossen.

Über Jahre habe ich beim täglichen Schnitzel den Gedanken „das Tier hat mal gelebt“ erfolgreich unterdrückt. Nach dem XXL-Mahl in Köln kam der Gedanke samt Schnitzel aber wieder hoch. Den Gedanken, gerade annähernd 500g Leiche gegessen zu haben, zwang ich danach nicht mehr hinunter ins Unterbewusste.

Nutztiere werden unter artfremden Bedingungen gehalten, bis sie reif sind, geschlachtet zu werden. Ein schönes Leben haben die nicht.

Auch Biorinder sehen oftmals kein Tageslicht mehr, sobald sie 6 Monate alt sind. Milchkühen und Hühnern geht es übrigens auch nicht besser.

Zwar werden die (erst) nicht geschlachtet, aber sie geben ihre Tierprodukte nur dank (für sie unangenehmer) menschlicher Manipulation her.

Ich halte das für unnötig. Das ist einer der Gründe, warum ich vegan leben möchte.

Na dann viel Glück bei den Weibern

Das bisher merkwürdigste Argument hat mir mein Kumpel Mirko vorgetragen. Bei ihm steht Fleischgenuss in direktem Zusammenhang mit seiner Männlichkeit. Verwirrt habe ich nachgehakt, was genau er damit meinte. Seine Antwort war folgende:

„Ach komm, du weißt doch. Wenn du weder Milch trinkst noch Fleisch isst, wie willst du dann noch deine Workouts machen? Ohne Proteine kannst du das doch direkt lassen.“

[info ueberschrift=“Vegane Vorbilder:“]+ Brian Adams
+ Thomas D
+ Chris Martin
+ Ozzy Osborne
+ Alexander Dargatz
+ Leonardo da Vinci
+ Steve-O[/info]Aha, daher wehte also der Wind. Ich muss zugeben, dass ich hart für meine paar Muskeln gearbeitet habe, da ich von Natur aus nicht so leicht Muskeln ansetze, wie ich gerne hätte. Ich antwortete ihm, dass ich das wohl vorerst in Kauf nehmen müsste.

Tatsächlich kann man auch als Veganer Workouts mit tollen Ergebnissen gestalten. Mut für meinen Körper hat mir letztendlich Alexander Dargatz gegeben, der 2006 der Weltmeister im Fitness-Bodybuilding geworden ist. Obwohl er konsequent vegan lebt.

Ich glaube jedenfalls nicht, dass ich weniger Glück bei „den Weibern“ haben werde als zuvor, denn soweit ich es erlebt habe, sind Frauen dem veganen Lebensstil viel offener gegenüber als Männer.

Und was soll das jetzt bringen?

Irgendwie haben meine Kumpels damit recht. Ich bin in meinem kompletten Umfeld der einzige Veganer. Der Rest meiner Bekanntschaft isst brav weiterhin seine Fleischwurst und trinkt die Frühstücksmilch, die so gut für die Knochen ist.

[statistik ueberschrift=“Ernährungsfakten:“]+ 20 Prozent der durch Menschen verursachten Klimaschädigung wird durch Viehzucht verursacht
+ Würde man das Viehfutter (Soja) für Menschen verwenden, wäre man einer gerechten Welternährung wesentlich näher
+ 20 Milliarden Nutztiere leben derzeit auf unserem Planeten[/statistik]Auf die Millionen von Nicht-Veganer und Nicht-Vegetarier gerechnet bringt mein vermeintlicher Verzicht so wenig wie eine Kerze im Weltall. Dass es auch alternative Studienergebnisse gibt, zeigt die Statistik weiter oben im Text.

Aber das ist auch nicht das, was für mich zählt. Entgegen der Vermutung derer, die versuchen, mich vom veganen Weg abzubringen, liegt mir wenig daran, andere davon zu überzeugen, so wie ich zu leben. Klar, es wäre toll, wenn die Viehzucht ein Ende finden könnte und von den verringerten Methanausstößen letztendlich der gesamte Planet profitieren könnte. Aber man kann niemanden zum tierproduktfreien Leben zwingen. Meiner Meinung nach ist das eine Entscheidung, die jeder für sich treffen muss.

Ich habe die Hoffnung, dass immer mehr Menschen auffällt, dass Fleischgenuss in erster Linie für sie eine nette Gewohnheit ist, über die man nicht weiter sinniert, weil man das tote Tier im Supermarkt schon fertig abgepackt kaufen kann und sich keine Gedanken über die Schlachtung und so weiter machen muss.

Ich habe die Hoffnung, dass immer mehr Menschen eine kleine Kerze ausgeht, die Licht ins Dunkle bringt. Und dass immer mehr Leute Sojaprodukte als wertvollen Ersatz sehen können. Dass ihnen bewusst wird, dass 80% des angebauten Sojas an Tiere verfüttert wird, die letztendlich von uns gegessen werden und dass genau dieser Soja Menschen satt machen könnte, die bisher so gut wie gar nichts zwischen die Zähne kriegen.

Mein neuer Lebensstil bringt mir persönlich Hoffnung auf eine bessere und bewusstere Zeit. Es scheint naiv, vielleicht sogar verblendet. Aber mich macht allein der Gedanke daran glücklich.

Übrigens: Ich bin immer noch Veganer :-) Hier ein Artikel zu den Nachwirkungen: Pflanzliche Ernährung als Alternative

Bild (C) 123rf.com