Stillgestanden, Soldat!

Ich war nicht beim Bund. Ich hätte auch nicht gekonnt, wenn ich gewollt hätte – als Niederländer hat man seit 1994 das „Privileg“, auf die sogenannten Vorbereitungen für den Ernstfall verzichten zu können und kann bei der deutschen Bundeswehr natürlich nicht mitmischen.

In Deutschland gibt es die Wehrpflicht* oder als Alternative den Zivildienst.

In jedem Fall sollen deutsche Jugendliche und junge Erwachsene eine Art Staatsdienst erfüllen – das finden wir zwar fragwürdig, soll hier jedoch nicht das Thema sein.

Tatsächlich fehlt mir persönlich der Drill, den die Soldaten auch heute noch erfahren, wenn sie sich zum Wehrdienst melden. Ein bisschen Drill und der Zwang zur Teamarbeit auch mit eventuell unbeliebten Zeitgenossen tut gut, das weiß ich noch aus der Schulzeit.

Dieser Artikel ist ein Plädoyer für das Ableisten der Grundausbildung aus der Feder eines Pazifisten.

Zu den Waffen, Soldat!

Tja, da kommt man auch in der Grundausbildung nicht drumrum: Waffenkunde gehört zum Wehrdienst wie die Leine zum Hund.

Winston Churchill meint:

Besser einander beschimpfen als einander beschießen.

Prinzipiell ist gegen eine Horizonterweiterung nichts einzuwenden, aber müssen es wirklich Schießeisen sein?

Positiv hervorzuheben ist die Nahkampfausbildung beim Bund. Ein bisschen Erfahrung mit den unerschöpflichen Methoden der Selbstverteidigung kann in unserer heutigen Gesellschaft wirklich nicht schaden.

Man könnte es als eine Art Kampfsport sehen – ohnehin bleibt es ein primitiver Wettkampf, der im Falle eines Krieges tödlich enden kann. Über dieses Risiko jedoch ist sich jeder Freiwillige beim Bund bewusst und darum soll es hier auch nicht gehen.

Klappe zu, Soldat!

Und wieder wird man angebrüllt, zurechtgewiesen, klein gemacht – was soll das bringen?

Disziplin

Lange Zeit konnte ich diesem „Lehrstil“ nichts abgewinnen, heute jedoch ist mir bewusst, dass die Fähigkeit, im richtigen Moment den Kopf einzuziehen, Gold wert ist.

Man ordnet sich in der Kompanie (oder wie nennt man so etwas?) nicht wirklich dem jeweils übergestellten Soldaten unter, sondern einer Idee von Ordnung, Disziplin und Effizienz.

Das ist ein genialer Ansatz und es ist schade, dass diese strenge Hierarchie sonst weniger zur Anwendung kommt.

100 Kniebeugen, Soldat!

Körperliche Ertüchtigung gehört zum Wehrdienst dazu und das ist auch gut so.

Nicht wenige junge Männer und Frauen müssen vermutlich zum ersten Mal in ihrem Leben beim Zirkeltraining schwitzen. Im 21. Jahrhundert ist das meistgenutzte Körperteil nicht mehr der Arm, der Holz hackt, oder das Bein, das dich von A nach B bringt- nein, am meisten nutzen wir heutzutage unseren Hintern.

Wir sitzen im Stuhlkreis, in der Schule, in der Uni oder Berufsschule und natürlich im Büro und im Auto.

Dass die Stühle, die Gebäude und unsere Fortbewegungsmittel wiederum von hart arbeitenden Menschen zusammengebastelt werden, sollten wir nicht vergessen.

Hier ein toller Videobeitrag zum Thema:

Videodokumentation „AGA Bundeswehr“

Während der Grundausbildung kann man – sofern man es sich bewusst macht – ein bisschen Tradition schnuppern und auch für die Zeit nach dem Wehrdienst tolle Impulse bekommen.

Rühren, Soldat!

Abschließend möchte ich als Pazifist anderen potentiellen Wehrdienstverweigerern zeigen, welche Vorteile die Teilnahme an der Grundausbildung haben kann.

Du hast die Wahl:

* Am 15. Dezember 2010 wurde durch das Bundeskabinett eine Aussetzung der Wehrpflicht zum 1. Juli 2011 beschlossen. (Quelle: Wikipedia)

Es kommt auf die Einstellung an – im Ernstfall muss sowieso jeder zu den Waffen, da braucht man sich nichts vorzumachen.

Wichtig ist, was du persönlich im Leben für dich erreichst. Die Techniken, Gedankenmodelle und Traditionen beim Bund können auch oder gerade im zivilen Leben sehr nützlich sein!

Was hältst du davon?

Hier die Vorteile als Kurzübersicht:

  • Du lernst im Team zu agieren
  • Du lernst, wie Hierarchien funktionieren
  • Du lernst wichtige Lektionen über Effizienz
  • Du lernst, wie du dich körperlich fit hältst
  • Du lernst die Grundzüge der Selbstverteidigung kennen
  • Du lernst, neutral in einer „gedanklich-feindlichen“ Umgebung zu kommunizieren

Hinzufügen möchte ich außerdem, dass ich es für Unsinn halte, ein Heer auf einen möglichen Konflikt vorzubereiten. Auch bei dem Begriff „Friedensmission“ sollte man natürlich weiterhin skeptisch bleiben.

Im direkten Vergleich bringt meiner Meinung nach ein Jahr beim Bund mehr als ein Jahr Zivildienst.

Es wäre interessant, hierzu ein wenig diskutieren zu können. Die Kommentarfunktion findest du weiter unten.

Bild (C) 123rf.com