Machos: Männer, die übertreiben

Ursprünglich bedeutete das aus dem Spanischen stammende Wort „macho“ bloß „männlich“ im Sinne von „el perro macho“ (der männliche Hund) und hatte noch rein gar nichts mit dem aufbrandenden Männlichkeitswahnsinn einiger menschlicher Zeitgenossen zu tun.

Gerade im Spanischen gilt es als gar nichts Schlimmes, als Macho bezeichnet zu werden. Ein spanischer Macho würde sich dadurch eher geehrt fühlen.

Erst das Wort „machismo“, was übersetzt „Männlichkeitswahn“ bedeutet, dreht sich um die Art Mann, die die meisten anderen Menschen als übertrieben männlich empfinden.

Doch warum werden aus lieben Jungs irgendwann nervige Übermänner und was heißt es eigentlich genau, ein Macho zu sein?

Was ist ein Macho überhaupt?

Man nehme alle gesellschaftlichen Klischees, die sich unter dem Suchwort „Mann“ finden lassen, beispielsweise Härte, Dominanz und Imponiergehabe gemischt mit Frauenverachtung und ein wenig anderer Intoleranz und stecke diese Zutaten in eine Person. Und siehe da, wir haben uns einen Macho gemixt.

Machos sind per Definition Männer, die ihre maskuline Seite in Extremo darstellen und ihr Denken einem konservativen Bild unterwerfen.

So schreibt man Machos zu, dass sie von Frauen und Männern fordern, sich an ihre traditionellen Rollen zu halten. Das bedeutet im Fall einer Frau, dass sie leise und angenehm zu sein hat, während sie 80% ihres Daseins in der Küche fristet. Oder alternativ im Ehebett.

Für andere Männer bedeutet es, dass sie sich ebenfalls äußerst männlich verhalten sollten. Dass sie also die Brötchen ranschaffen und alle weltlichen Dinge außerhalb des Haushalts regeln. Was Kinder angeht, sind sie nur für die Zeugung da und überlassen den Rest ihrer Frau, vor allem, wenn sie eine Tochter bekommen haben.

Männer, die sich dieser traditionellen Männerrolle widersetzen und anders sind, gelten in den Augen des Machos als Weichlinge, als Softies und schlimmstenfalls als Schwuchteln. Entdeckt der Macho an sich selbst weiche Seiten, wird er sein Äußerstes tun, um diese Seite zu eliminieren und wenn das nicht fruchtet, zu leugnen. Weichheit und Feminität haben in seinem Denken nichts zu suchen.

Bei so viel Schubladendenken wundert es einen nicht, dass Machogehabe auch mit Intoleranz in anderen Bereichen einhergeht und viele Machos Fremden- und Schwulenfeindlichkeit an den Tag legen.

Vor allem in Szenen, die mit besonders viel Männlichkeit in Berührung kommen (Skinheads, Bodybuilder, Hooligans, Tuner, …) ist der Machoausstoß besonders hoch, weil diese Themen Mann-Männer anziehen wie Motten das Licht.

Wie wird man ein Macho?

So gerne man glauben würde, dass das Machogehabe meist auf einen Mangel an Größe in der unteren Körperhälfte zurückzuführen ist, ganz so einfach ist es nicht. Natürlich gibt es Machos mit einem geringen Selbstwertgefühl, aber es gibt auch unter den normalen Männern genug, die darunter leiden.

Eigentlich hat es viel mehr damit zu tun, wie der Mann die Welt sieht. Ist er beispielsweise davon überzeugt, dass jeder Mensch in der Gesellschaft seinen Platz kennen sollte (denkt also extrem strukturiert), kann das eine der „Ursachen“ sein. Der Macho selbst steckt sich ja auch in eine Schublade. Nur fühlt er sich wohl darin und kann es mitunter gar nicht verstehen, dass seine Umwelt nicht in die ihnen zugeschriebene Schublade passen will. Wut, Verzweiflung und ein noch stärkeres Machogehabe sind dann die Folge.

Ebenso wichtig ist es, wie der eigene Vater (oder die ausgewählte Vaterfigur) die Welt betrachtet hat. Hat der Vater seinem Sohn immer und immer wieder eingetrichtert, dass es besser ist, wenn Mami zuhause bleibt und kocht, während Papi arbeiten geht, wird der Sohn das für das Natürlichste der Welt halten und eventuell später gar nicht begreifen, dass seine Freundin lieber arbeiten geht, als ihm sein Sandwich zu bringen. Bei Machovätern ist es also kein Wunder, wenn am Ende der Sohn auch zum Macho wird..

Stehen Frauen auf so etwas?

Die Wahrheit ist, dass es durchaus Frauen gibt, die sich mit einem Machomann an der Seite sehr wohl fühlen – und nein, es sind keine grauen Mäuschen, die gerne in ihrer Freizeit die Treppe runterfallen.

Es sind viel eher Frauen, die genauso ein strukturiertes Mann-Frau-Bild haben wie der Macho selbst. Denn diese Bilder ergänzen sich sehr gut. Frauen, die eine traditionelle Frauenrolle ausleben wollen, sind sogar oft sehr glücklich mit der Erziehung ihrer Kinder und den normalen Alltagsaufgaben.

Letztendlich hat es ja sogar Vorteile mit einem Macho zusammenzusein. So wird er immer das Geld heranschaffen, koste es, was es wolle und auch sonst gut für seine Familie sorgen.

Für freiheitsliebende Frauen, die hoch hinaus wollen, ist ein Macho sicherlich das letzte, was sie an ihrer Seite wollen, aber für manche kann er ein echter Traum sein.

Macho = Macho?

Nein, natürlich ist nicht jeder Mann, der zunächst wie ein Macho wirkt, ein waschechter Macho. Der echte Macho entpuppt sich meist erst nach einiger Zeit so richtig, wenn sein traditionelles Gesellschaftsbild hervorbricht und Werte an den Tag kommen, die eigentlich schon seit Jahrzehnten out sind.

Viele Männer führen sich zeitweise wie Machos auf, weil sie sich unsicher fühlen oder die Szene, in der sie sich bewegen, ein entsprechendes Verhalten verlangt. Bei solchen Männern ist auffällig, dass sie sich außerhalb dieser Kreise vollkommen anders verhalten. Dass sie anders reden, anders mit Menschen umgehen und auch ein anderes Bild von sich präsentieren.

Es lohnt sich, keine voreiligen Schlüsse zu ziehen, wenn man einen vermeintlichen Macho-Mann trifft. Oft er bloß eine Art männliches Charmäleon, dass sein Verhalten so anpasst, wie es für ihn gerade am besten passt.

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