Ist Fleischkonsum ein Symbol der Männlichkeit?

Unsere beiden Artikel zum Thema Veganismus bei Männern haben sehr viel positive Resonanz hervorgerufen.

In unserer kleinen Redaktion fragen wir uns daher regelmäßig, warum so wenig Menschen offen für eine fleischlose Ernährung sind.

Diese Diskussionen wiederum führen ultimativ zu der Frage, ob Fleischkonsum vielleicht als eine Art Symbol der Männlichkeit interpretiert wird.

Fleischkonsum in der Werbung

Wenn man sich beispielsweise die Werbung für einen brandneuen Burger bei McDonalds oder eben Burger King anschaut, wird deutlich, wie wichtig vor allem männliche Bedürfnisse im Fleischmarketing sind.

Je größer die gepresste Fleischscheibe aus undefinierbarem Hack ist, desto wohler scheint sich der durchschnittliche Kunde solcher Restaurants zu fühlen.

Ich habe zwar nicht immer vegan gelebt, allerdings habe ich auch nie viel Fleisch konsumiert – wenn ich früher mit Kumpels unterwegs war, habe ich mich regelmäßig gewundert, warum gerade die dicksten Burger so anziehend wirken.

Vernunftbegabte Männer, mit denen man sich gerade noch bei dem vermutlich sechsten oder siebten Bier über den Sinn des Lebens unterhalten hat, bekommen glasige Augen, wenn sie in der Fußgängerzone einen Burgerladen sehen. Faszinierend.

Vielleicht haben sie tatsächlich Hunger und haben diese Tatsache aufgrund der interessanten Unterhaltung nur verdrängt – oder sie wurden von den großflächig angebrachten Plakaten zu einem mitternächtlichen Snack in der Fleischoase überredet. Wer weiß das schon.

Fleischkonsum im Elternhaus

Ich wurde von meiner Mutter allein großgezogen und hatte keine „richtige Vaterfigur“.

Wir haben selten Fleisch gegessen, aber ich erinnere mich an den Mittagstisch bei einem meiner früheren Schulfreunde: Aus dem Fleisch, was da täglich aufgetischt wurde, hätte man locker wieder ein kleines Schwein, ein ganzes Huhn oder eine junge Ziege zusammenbasteln können!

Ich habe Fleisch zwar gerne gegessen, aber ich musste es nicht haben.

Auch bei anderen Familien, bei denen ich zu Besuch war, wurde viel Fleisch konsumiert. Die Erinnerungen – vor allem an meist korpulente Väter – sind zwiespältig. Ich habe mich schon als Kind gewundert, ob das alles sein muss.

Heute weiß ich natürlich, dass es auch ohne geht.

Fleischkonsum aus Sicht der Lobby

Die wohl mächtigste Rolle spielt die Fleisch-Lobby. Sie leistet wirklich gute Arbeit, wenn es darum geht, Propaganda zu betreiben und Fehlinformationen zu streuen.

Fleisch soll gesund sein, Fisch gar heilende Wirkung haben.

Angeblich kommt es auf die Menge an – wenn das wahr ist, warum werden dann nicht geringere Konsummengen empfohlen?

Der Handel mit Fleisch ist extrem profitabel. Um die Herstellungskosten gering zu halten, wird in Massen produziert.

Am verheerendsten sind die bewusst verteilten Falschmeldungen, die da lauten:

  • Ohne Fleisch fehlt dir was
  • Nur mit Fleisch kann man sich ausgewogen ernähren
  • Vegetarier und Veganer richten sich zugrunde
  • Und schließlich: Fleischlose Ernährung ist nicht männlich!

Fleischkonsum aus Sicht des Tieres

Kommen wir zurück zur ursprünglichen Frage: Ist Fleischkonsum ein Symbol der Männlichkeit?

Ich kann das nicht bestätigen, denn ich fühle mich ohne Fleisch auf dem Teller nicht weniger männlich.

Im Gegenteil: Wenn ich mein unreflektiertes Verhalten von früher überdenke, wird mir klar, wie feige ich war.

Die Tiere, die ich gedankenlos verspeist habe, hatte ich mir nicht verdient. Ich habe sie gekauft, das ist korrekt, aber verdient hätte ich sie mir nur dann, wenn ich sie selbst gejagt hätte.

Und das auch nur, wenn ich aus einer natürlichen Not gehandelt hätte, wie es Naturvölker tun.

Wenn ich wirklich Hunger gehabt hätte und es sonst nichts zu beißen gegeben hätte.

Fleischkonsum ist für mich dann ein Zeichen der Männlichkeit, wenn man(n) Auge um Auge und Zahn um Zahn der Beute gegenübersteht, die fliehen oder gar kämpfen kann.

Wenn es ein Kampf ums Überleben ist.

Wenn es ein Kampf auf Augenhöhe ist.

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