Hypochondrie – Eine der letzten echten Männerdomänen

Bist du ein wehleidiger Mann, der oft krank ist oder sich zumindest krank fühlt?

[info]Mach den Test: Bin ich ein Hypochonder? (Der Test dauert knapp 4 Minuten)[/info]Damit bist du nicht allein, knapp 10% der deutschen Bevölkerung leidet unter Hypochondrie.

Ein Hypochonder ist jemand, der Angst vor dem Kranksein hat und somit oftmals Krankheiten heraufbeschwört.

Das ist ungesund, kostet Zeit, Geld und Nerven – und doch: Bei Hypochondrie handelt es sich um eine der letzten echten Männerdomänen.

Traurig, aber wahr.

Lasst mich leiden, ich bin Arzt

Hypochonder neigen dazu, häufige Selbstdiagnosen mit medizinischen Handbüchern durchzuführen – sie gehen zwar oft zum Arzt, vertrauen ihm jedoch nicht wirklich.

[amazon_rechts][/amazon_rechts]Viele meiner männlichen Freunde und Bekannten leiden überdurchschnittlich viel und überdurchschnittlich lange.

Aus einer simplen Erkältung wird eine ausgewachsene Grippe, die ihn womöglich für Wochen ans Bett fesselt. Aus simplen Magenschmerzen wird ein Magengeschwür und aus typischen Kater-Kopfschmerzen ein tödlicher Hirntumor…

Beim kleinsten Anzeichen, beim unscheinbarsten Symptom schrillen sämtliche Alarmglocken: Irgendetwas muss los sein, irgendetwas bahnt sich an!

Hypochonder wollen quasi leiden, ohne dass sie es sich bewusst machen.

Sie suchen aktiv nach Möglichkeiten, um ihr Krankheitsgefühl zu rechtfertigen.

Das starke Geschlecht neigt in besonderem Maße zu dieser Art von Wahnsinn.

Symptome sind Symptome sind Symptome

Ein Symptom ist nicht gleich eine Krankheit – ein Symptom kann viele Dinge bedeuten, es ist sozusagen ein Zeichen. Mehr nicht.

Die Schulmedizin lässt uns glauben, dass man Krankheiten durch Symptombekämpfung loswerden kann. Männer scheinen das häufiger zu glauben als Frauen. Die Selbstdiagnose ist eine männliche Spezialität.

Typische Ausrufe der Selbstsicherheit sind:

  • Nein, das ist nur ein Kratzer!
  • Bei dem Wetter brauche ich keinen Schal!
  • Ich weiß schon, was gut für mich ist!

Dann wiederum reagieren dieselben Männer oft panisch, wenn sie an die Türklinke zur Toilette in ihrer Lieblingskneipe denken: Bakterien, Infektionen, Krankheit.

Nach ein paar Bieren vergisst man zwar, aber der Schrecken bleibt: Ich habe mich bestimmt angesteckt.

Noch mehr kranke Illusionen

Einen echten Hypochonder erkennt man vor allem daran, dass er die oben genannten Symptome womöglich garnicht wichtig findet.

Er denkt sich seine Krankheit aus, er visualisiert sie, er pocht darauf, sie zu haben, er gibt sich Mühe, sie zu fühlen.

Häufige Krankheiten, die sich ein Hypochonder ausdenkt, sind:

  • Tumore
  • Leukämie
  • Herzinfarkte
  • AIDS
  • Multiple Sklerose
  • Und viele andere (vor allem unheilbare) Krankheiten

Hypochonder – Ein Kurzfilm von Maggie Peren

Matthias Schweihöfer in einem genialen Kurzfilm, der das Leben von Felix portraitiert.

Woher kommt dieses Verhalten?

Hypochonder sind sehr anfällig für negative Schwingungen aus der Presse, den Medien, dem persönlichen Umfeld, allgemein: der Gesellschaft, in der sie sich befinden.

Wenn beispielsweise die BILD-Zeitung angsteinflößend titelt: „Vogelgrippe – Der Tod aus der Luft“, dann reagieren viele Menschen panisch. Es könnte sie ebenfalls treffen; Wahrscheinlichkeitsrechnung ist keine Stärke der Hypochonder.

Ich hatte mal einen Freund, der tatsächlich die Vogelgrippe dazu auserkoren hatte, sein womöglich letzter Sargnagel zu sein. Jetzt gehen wir alle drauf, meinte er. Und er meinte das ernst. Mir ist erst viel später klar geworden, dass er das ernst meinte und dass er sich mit seinem damaligen Denken und Verhalten als erstklassiger Hypochonder qualifiziert hatte.

Die meisten Menschen überlesen die potenzielle Gefahr einer solchen Überschrift in einer Zeitung, knapp 10% erkennen darin eine reale Bedrohung. Sie sehen sich als nächstes Opfer, lassen sich impfen, tragen womöglich einen Mundschutz, verzichten plötzlich auf Chicken Wings und lassen sich vom Arzt gründlich durchchecken.

Die Panik? Die bleibt.

Der Vogelgrippe folgte die Schweinegrippe: Man kann sich denken, wie mein Freund darauf reagierte.

Wege aus der Hypochondrie

Es handelt sich bei Hypochondrie um eine Art Geisteskrankheit, die Horrorszenarien spielen sich im Kopf ab, die Krankheiten sind nicht real, nicht diagnostizierbar.

[amazon_rechts][/amazon_rechts]Wenn man sich krank fühlt, jedoch nicht krank ist, ist man zumindest nicht gesund.

Die Definitionen von Krankheit gehen weit auseinander – hinzu kommt die subjektive Einschätzung der eigenen Situation.

Die „echte“ Hypochondrie bedarf einer professionellen Therapie. Das muss nicht unbedingt der Gang zum Psychologen sein, simple Entspannungstechniken oder gar Yoga Übungen können den Einstieg in ein relaxtes Leben bilden.

Übrigens: Männer sind nicht wirklich die besseren Hypochonder. Die obige Statistik bezieht sich auf Frauen und Männer gleichermaßen. Dennoch: Entsprechend einer anderen Studie ist die nervigste männliche Eigenschaft aus Sicht der befragten Frauen: Wehleidigkeit.

Und diese zwei Zustände gehören in vielen, vielleicht sogar allen Fällen, zusammen.

Bild (C) 123rf.com


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