500 PS – Die Penisverlängerung in der Garage

Ich habe es noch nie verstanden. Warum wollen Männer große Autos fahren?

Ich habe nicht einmal einen Führerschein – wozu auch? In der Stadt brauche ich keinen. Ein Auto bedeutet für mich nicht grenzenlose Freiheit, sondern einen Klotz am Bein, der mich faul macht, der Unmengen Geld frisst und die Umwelt zerstört.

Nein, danke.

Aber: Mein Traumauto, mit dem ich am liebsten herumgefahren werden würde, ist ein Jaguar XF 5.0 K-R

Warum habe sogar ich – als Autofeind – den Wunsch, eine 500 PS starke Karre zu besitzen?

Eine Penisverlängerung aus Blech und Plastik

Als Penisverlängerung brauche ich den schicken Jaguar nicht – zumindest glaube ich das und bisher wurde mir von meinen Partnerinen nichts Gegenteiliges mitgeteilt.

Ein Auto ist eine Kombination aus Blech, Plastik und (für den Otto-Normal-Menschen) unverständlicher Technologien.

Es macht mein bestes Stück nicht größer. Und ich glaube auch nicht daran, dass ein „dickes“ Auto ausschlaggebend ist, wenn man(n) auf der Suche nach einer Partnerin ist.

Außerdem: Selbst wenn eine Frau dumm genug ist, um auf den Penis-Schwindel hereinzufallen, dann wird sie spätestens beim Techtelmechtel im Anschluss enttäuscht sein.

Selbst mit einer 500PS-Karre kannst du ihr keinen Orgasmus besorgen!

Was ist das Geheimnis schneller, großer, teurer Autos?

Ich vermute, dass ein teures, flottes und mächtiges Vehikel Selbstvertrauen gibt. Wer sich ein Luxusauto im Wert von 10 „normalen“ Opel Corsa oder VW Golf leisten kann, hat definitiv etwas richtig gemacht – zumindest weiß er (bzw. sie), wie man die Wirtschaft nutzt, um davon größtmöglich zu profitieren.

Ich weiß von mir selbst, wie befriedigend es ist, sich etwas Besonderes leisten zu können.

Es geht mir bei den sogenannten „Lust-Käufen“ nicht darum, zu protzen. Es geht viel eher darum, mich in meinen kleinen und großen Erfolgen zu bestätigen, ja sogar zu baden!

Den Jaguar XF 5.0 K-R dürfte ich natürlich nicht selber fahren – ich würde ihn dennoch nutzen, als gemütliches Büro im Garten, wenn ich keine Lust mehr auf die eigenen vier Wände habe.

Oder als Versuchsobjekt, um endlich zu verstehen, wie Autos eigentlich funktionieren.

Falls sich ein Fahrer finden würde, könnte ich die leise Fahrt genießen und mich an meinem Reichtum erfreuen. Das wiederum würde mich motivieren, noch mehr Reichtum anzuhäufen, um mir demnächst eine Yacht zu kaufen.

Einen Segelschein habe ich selbstverständlich ebenfalls nicht. Na und? Auf Deck die Sonne zu genießen reicht mir völlig.

OK, aber wieso dann Schrottkarren tunen?

Das, was ich am wenigsten in punkto „leistungsstarke Autos“ verstehe, ist die Tuner-Mentalität.

Wozu tunt man einen Corsa, einen Golf oder einen ordinären 3er BMW?

Vor einiger Zeit habe ich noch in einer anderen Wohnung gelebt und ganz in der Nähe fanden auf einem Parkplatz eines großen Discounters diese komischen Tuner-Treffen statt.

Manchmal bin ich über den Platz geschlendert und habe das bunte (und laute) Treiben beobachtet.

Ich kenne mich mit Autos wie gesagt nicht gut aus, aber ich kann durchaus beurteilen, ob etwas teuer ist oder nicht.

An manchen Corsas klebten (wortwörtlich) tausende Euros – verarbeitet als Spoiler und andere unnütze „Features“, die diese Schrottkarre noch hässlicher machen.

Wozu? Warum sparen diese Menschen ihr Geld nicht einfach für ein richtiges Auto?

Das passende Sprichwort lautet: „Wenn du merkst, dass du ein totes Pferd reitest, steig ab!“

Vielleicht kann mich einer unserer Leser zu diesem Thema aufklären? Ich würde mich freuen!

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