Du bist Novoline süchtig? So kannst du deine Spielsucht bekämpfen

100.000 Deutsche sind davon betroffen1. Die Mehrheit davon ist männlich und beinahe täglich kommen neue hinzu. Die Rede ist von Spielsucht – speziell nach Geldautomaten der Firmen Novomatic (Novostar und Novoline) und Merkur.

Glücksspiel-Fakten

– Jeder Dritte deutsche spielt regelmäßig Glücksspiele

– Jeder Dritte davon zockt Novoline und Co.

– Ca. 100.000 Menschen in Deutschland sind spielsüchtig

Fast jeder Deutsche hat in seinem Leben schon einmal an einem Glücksspiel teilgenommen und jeder dritte bleibt dabei. Neben Lotto und Rubbellosen sind die Glücksspiele von Novoline und Co. die am häufigsten gespielten – und auch die mit den meisten Folgen.

Kein anderes Glückspiel verzeichnet einen so starken Zuwachs in der Bevölkerung wie die Glücksspielautomaten. Hier sind vor allem junge Männer im Alter von 18 bis 23 die am häufigsten Betroffenen.2

Doch was macht einen nun von einem normalen Spieler zum Süchtigen?

Was ist Spielsucht überhaupt?

Es gibt viele Symptome, die auf eine Spielsucht hinweisen. Und nur weil ein oder zwei Symptome nicht auf einen passen, heißt das noch lange nicht, dass keine Spielsucht vorliegt. Ausschlaggebend dafür ist viel eher, dass man merkt, dass man sich selbst nicht mehr unter Kontrolle hat und viel eher die Automaten einen zu kontrollieren scheinen.

Dies sind die häufigsten Spielsucht-Symptome:

  • Man kann dem Drang zu spielen nicht widerstehen. Man geht doch wieder in die Spielhalle und zockt, obwohl man sich geschworen hatte, es nie wieder oder seltener zu tun.
  • Man verheimlicht seinen Freunden, Bekannten und sogar seinem Partner, dass man spielt – sogar wenn man nicht mit dem eigenen Geld spielt.
  • Immer höhere Beträge werden eingesetzt, um mehr zu gewinnen, oder besser, den Verlust wieder auszugleichen.
  • Man hat immer weniger Geld für das normale Leben zur Verfügung oder leiht sich sogar in schweren Fällen Geld von Banken oder Bekannten, um weiter spielen zu können.
  • Vor dem Geldautomaten fühlt man sich sicher und besser.
  • Es liegen im Leben noch andere Probleme vor, die aber durch das Zocken verdrängt werden.
  • Man wird mit der Zeit immer reizbarer und unausgeglichener.

Unser Schnelltest:

Treffen 3 oder mehr Symptome auf dich zu?

Dann könntest du spielsüchtig sein.

Spieler sind Menschen, die sich in emotionale Traumwelten begeben, in denen alles besser ist. Das Glücksspiel erscheint für sie dabei als der beste, oder besser, leichteste Weg, um diese Träume zu erreichen.

Wenn sie sich vor einen Automaten setzen, fühlen sie sich wohl, geborgen und selbstbewusst, denn hier gibt es kostenlose Getränke und andere Menschen, die genauso ticken wie sie selbst.

Gewinnen Spieler tatsächlich mal etwas, reicht ihnen der Gewinn nicht einmal dafür, sich auch nur die kleinsten Wünsche zu erfüllen. Aus diesem Grund setzen sie den Gewinn (sofort oder nach und nach) wieder ein, um noch mehr zu gewinnen. Dadurch erreichen sie, selbst wenn sie nicht verlieren würden, niemals den Zustand in ihren Traumwelten und verzocken das Geld, anstatt mögliche Schulden zu begleichen oder sich etwas Schönes davon zu gönnen.

Hast du deine Verhaltensweise womöglich in der Symptom-Liste wiedererkannt oder kannst dich mit dem psychologischen Profil identifizieren?

Wenn mindestens 3 Symptome auf dich und dein Spielverhalten zutreffen, liegt bei dir mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Sucht vor und du musst dringend etwas an dir ändern!

Wie kann man seine Spielsucht bekämpfen?

Spielsüchtig zu sein, kann schwere Konsequenzen nach sich ziehen. Nur die wenigsten Deutschen verfügen über genug Kapital, um die Verluste langfristig zu finanzieren. Der finanzielle Stress, der daraus entsteht, führt nicht selten dazu, dass der Spieler seinen Partner und seine Freunde verliert – manchmal sogar seinen Job.

Das allein sind schon genug Gründe, sich von dieser Sucht befreien zu wollen. Wir stellen dir 3 Wege vor:

Die Selbsttherapie

Jeder Spieler kommt einmal dazu, sich zu sagen „Nein, ich mache das nicht mehr mit.“ Allerdings versagen die meisten Spieler relativ schnell und sitzen – ehe sie sich versehen – wieder vor einem Glücksspielautomaten.

Wenn auch dir das schon einmal passiert ist, gehe nicht zu hart mit dir ins Gericht! Es liegt in der Natur einer Sucht, dass die meisten sie nicht einfach so ablegen können wie ein dreckiges T-Shirt.

Was dir bei einer Selbsttherapie hilft, ist in erster Linie ein starker Wille und jede Menge Motivation. Du musst dir ständig sagen: „Ich will das nicht. Ich lasse mich von diesen Automaten nicht beherrschen.“ Du musst schlicht stärker sein als deine Sucht.

Zusätzliche Unterstützung aus deiner Familie und deinem Freundeskreis kann dir ebenfalls viel Rückhalt geben. Du kannst uns glauben, alle werden mit Freude den Rücken stärken, denn niemand will, dass ein Mensch, den er gern hat, unter einer Sucht leidet.

Sei daher ehrlich mit den Menschen, die dir nahe stehen. Vermutlich hast du während deiner Sucht genug vor ihnen verheimlicht.

Wenn du glaubst, du kommst ganz ohne Hilfsmittel nicht aus und willst es trotzdem ohne Selbsthilfegruppen oder eine Therapie probieren, kannst du dir folgende Bücher ansehen. Sie befassen sich mit dem Thema Spielsucht und zeigen, wie man sie überwinden kann:

Jackpot: Aus dem Leben eines Spielers. Eine wahre Geschichte

Wer gewinnt, wenn du verlierst?: Das Buch gegen die Spielautomatensucht

Die Selbsthilfegruppe

Auch wenn es dir schwer fällt, das zu glauben – es gibt mehr Menschen, als man denkt, die unter Spielsucht leiden. Aus diesem Grund haben sich diverse Selbsthilfegruppen gebildet, in denen sich Gleichgesinnte Spieler und Ex-Spieler treffen, um ihre Erfahrungen miteinander zu teilen und sich gegenseitig bei dem Weg aus der Sucht zu stützen.

In diesen Gruppen werden Tipps gegeben, wie man mit sich selbst und seiner Sucht umgehen kann, wie man die Leere ausfüllen kann, die entsteht, wenn man keine Spielotheken mehr besucht und wie man seine Spieler-Gedankenmuster sinnvoll umformen kann.

Die wohl bekanntest Selbsthilfegruppe in Deutschland  sind die „Anonymen Spieler“, die bundesweit Treffen anbieten.

Hier kannst du mit der genannten Selbsthilfegruppe Kontakt aufnehmen und dich über das Programm informieren:

Kontaktformular Anonyme Spieler

Die professionelle Therapie

Vor allem dann, wenn eine besonders ausgeprägte Form der Spielsucht vorliegt, kann es empfehlenswert sein, sich in  professionelle Hände zu begeben. Ausgebildete Psychologen erstellen mit dem Betroffenen zusammen ein Persönlichkeitsprofil und leiten dann die nächsten Schritte ein – auch eine Schuldnerberatung gehört dazu.

Sogar stationäre Therapien sind möglich und bei besonders schweren Spielern sehr zu empfehlen, weil sie jede Art von Glücksspiel vorerst unterbinden.

Es gibt sogar ein Medikament (Naltrexon), das helfen soll, über eine Spielsucht hinweg zu kommen. Allerdings wird es selbst in den USA bisher nur vereinzelt eingesetzt.

Ob mit oder ohne Medikamente: auch eine professionelle Therapie ist kein Erfolgsgarant dafür, dass mit deren Ende die Spielsucht für immer besiegt ist. Wie bei allen Süchten, musst du auch nach der Therapie innerlich stark bleiben und dem Drang zu spielen widerstehen

Solltest du einer der mutigen Menschen sein, die den Weg aus der Sucht wagen möchten, wünschen wir dir alles Gute und viel Erfolg beim Kampf gegen die Glücksspielautomaten!

PS: Wir möchten mit diesem Beitrag keiner der oben genannten Glücksspiel-Firmen schaden, sondern lediglich denjenigen helfen, die die Kontrolle über sich und ihr Spielverhalten verloren haben. Das sollte auch im Interesse der Glücksspiel-Firmen sein.

1 Wikipedia: Pathologisches Spielen
2 Glücksspielverhalten in Deutschland (2007-2009)

Bild CC2.0 by Ohhhbetty / Flickr